Bregenz - Auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele wächst das Bühnenbild für das Spiel auf dem See 2026/27 heran. In der Festspiel-Montagehalle arbeiten das Kaschur- und Technikteam derzeit an dem zentralen Element der Inszenierung von Giuseppe Verdis „La traviata“: einer rund 700 Quadratmeter großen Spiegelwand.
Nach Abschluss der statischen Vorarbeiten beginnt Ende Februar die nächste Phase direkt auf der Seebühne. Dann wird die Spiegelwand montiert, die an ihrer höchsten Stelle über 25 Meter in die Höhe ragen soll. Der zerbrochene Spiegel ist bewusst als Sinnbild gewählt. Er steht für die innere Zerrissenheit der Pariser Kurtisane Violetta Valéry, deren Geschichte Regisseur Damiano Michieletto gemeinsam mit Bühnenbildner Paolo Fantin in die 1920er-Jahre verlegt hat – in eine Welt zwischen mondänem Glanz, Überfluss und innerer Leere.
Dabei handelt es sich nicht um einen echten Spiegel. Um Blendwirkungen zu vermeiden, entsteht vielmehr die Illusion einer zerbrochenen Spiegeloberfläche. Die Wand wird aus 86 einzelnen Elementen zusammengesetzt, die in ihren Ausmaßen stark variieren: von mehr als zwölf Metern Länge bis zu knapp 40 Zentimetern. Mehr als die Hälfte der Fläche ist beweglich und kann während der Vorstellung aktiviert werden. Zusätzlich dient die Konstruktion als großformatige Projektionsfläche für Filmausschnitte aus Violettas Lebensgeschichte, die im Oktober unter der Leitung von Michieletto in Wien gedreht wurden.
Gefertigt werden die Spiegelsplitter seit Herbst 2025 in der Montagehalle des Festspielhauses. Grundlage sind CNC-gefräste Holzplatten, bedrucktes Gewebe und grün lackierte Stegplatten an den sichtbaren Kanten. Für das Aufbringen des Gewebes kommt ein spezieller Klebstoff aus der textilen Möbelverarbeitung zum Einsatz. Gemeinsam mit externen Partnern wurde dafür eine eigene Maschine entwickelt, die einen gleichmäßigen Auftrag ermöglicht und den Klebstoff mithilfe integrierter Heizstrahler dauerhaft fixiert.
Auch das Wasserbecken zwischen Seebühne und Zuschauerraum bleibt Teil der Inszenierung, erhält jedoch eine andere szenische Funktion als zuletzt bei „Der Freischütz“. Mit „La traviata“ zeigen die Festspiele eines der meistgespielten Werke der Operngeschichte erstmals auf der Seebühne. Die Premiere ist für den 22. Juli angesetzt. Dirigiert wird die Produktion von Kirill Karabits und Pietro Rizzo.
Im Sommer 2026 ist „La traviata“ an 28 Abenden zu sehen. Für das Spiel auf dem See stehen rund 188.000 Karten zur Verfügung, von denen bereits etwa 80 Prozent gebucht sind. Insgesamt umfasst die kommende Festspielsaison nahezu 80 Veranstaltungen mit rund 228.000 Tickets, einschließlich der Generalprobe.