LandOi - Oberschwaben live erleben

Bahnstrecke zwischen Aulendorf und Kißlegg

Ravensburg  - Der Landkreis Ravensburg treibt eines der wichtigsten Bahnprojekte in Oberschwaben voran: Die Elektrifizierung und der Ausbau der Strecke Aulendorf–Kißlegg sollen in die konkrete Planung gehen. Grundlage ist eine Machbarkeitsstudie, die eine realistische und förderfähige Variante empfiehlt – mit deutlich besseren Perspektiven für den regionalen Bahnverkehr.

Der Kreistag stimmte am 4. Dezember dafür, gemeinsam mit der Deutschen Bahn und dem Land Baden-Württemberg in die nächste Projektphase einzusteigen. Die Gesamtinvestition wird auf etwas über 100 Millionen Euro geschätzt. Rund 7,8 Millionen Euro davon müsste die Region selbst tragen. Der Landkreis übernimmt die Hälfte dieser Summe, sofern die betroffenen Kommunen die andere Hälfte stemmen.

Für die Region wären die Vorteile erheblich. Die Elektrifizierung ermöglicht den durchgehenden Einsatz moderner Elektrotriebzüge und macht das Angebot stabiler. Neben der bisherigen stündlichen Verbindung Aulendorf–Kißlegg–Leutkirch/Wangen soll zusätzlich eine neue stündliche Linie ohne Umstieg von Friedrichshafen über Aulendorf bis Bad Waldsee entstehen. Damit wächst die betriebliche Flexibilität – ein entscheidender Faktor in einem Netz, das heute oft durch Verspätungen und enge Umstiegszeiten belastet ist.

Gerade der Abschnitt zwischen Aulendorf und Kißlegg gilt als Engstelle: veraltete Infrastruktur, hohe Auslastung und ein Fahrplan, der im Alltag kaum robust zu halten ist. Verspätete Anschlüsse Richtung Memmingen oder München gehören zum Alltag. Mit einer modernisierten Strecke könnten strukturelle Nachteile behoben und langfristig neue regionale wie überregionale Verkehre gewonnen werden.

Landrat Harald Sievers nennt den Beschluss „einen bedeutenden Schritt hin zu einem verlässlichen Bahnangebot zwischen Allgäu und Schussenbecken“. Zugleich mahnt er Geduld an: Bis zur Umsetzung werden voraussichtlich rund 15 Jahre vergehen.

Auch Verkehrsminister Winfried Hermann verweist auf die Konkurrenz laufender Großprojekte wie Bodenseegürtelbahn oder Brenzbahn und auf begrenzte Planungsressourcen bei der Deutschen Bahn. Dennoch betont er die Bedeutung des bodo-Ringzugs für die langfristige Verkehrsplanung im Südosten des Landes. Voraussetzung bleibe ausreichend finanzielle Unterstützung des Bundes über Regionalisierungsmittel und GVFG-Förderprogramme.

Rückhalt kommt ebenso aus den Kommunen entlang der Strecke. Pünktlichkeit, bessere Anschlüsse und ein verlässlicher Takt seien essenziell, betont Bürgermeister Dieter Krattenmacher. Die hälftige Kostenteilung zwischen Landkreis und Gemeinden bezeichnet er als fairen Weg, die Belastung zu stemmen.

Für den Interessenverband bode-Ringzug ist das Projekt ein entscheidender Modernisierungsschub: Die Strecke verbindet Südbahn und Allgäubahn – zwei zentrale Nord-Süd-Achsen. Eine Elektrifizierung würde das letzte größere „Dieselloch“ der Region schließen. Verbandsdirektor Wolfgang Heine spricht von einem „richtigen Moment“, da die GVFG-Förderbedingungen aktuell besonders günstig seien.

Mit dem Beschluss von Kreis und Kommunen ist nun der politische Grundstein gelegt. Die kommenden Jahre dienen der vertieften Planung, Abstimmung und Finanzierung. Klar ist: Die Region setzt ein deutliches Signal, dass sie eine zuverlässigere, klimafreundlichere Schienenanbindung zwischen Bodensee, Schussental und Allgäu will – und bereit ist, dafür Verantwortung zu übernehmen.

  • Bildrechte: Felix Löffelholz, bodo Verkehrsverbund
  • Quelle: Interessenverband bodo-Ringzug

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