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Kuratorin Miriam Kresser im Schaudepot
Bild 1: Kuratorin Miriam Kresser im Schaudepot | Bild 2: Museumsdirektorin Sabine Mücke in der Ausstellung

Ravensburg – Das Museum Humpis-Quartier beginnt mit der schrittweisen Neukonzeption seiner Dauerausstellung. Mit „Aufbruch in die Demokratie“, dem partizipativen Projekt „Museum Kollektiv“ und einem neuen Schaudepot mit Museumswerkstatt werden erste neu gestaltete Bereiche zugänglich. Bis 2029 sollen weitere Themen, Epochen und Exponate folgen. Während des Umbaus bleibt das Museum geöffnet. Ziel ist die Weiterentwicklung zu einem Stadtmuseum, das Ravensburgs Geschichte und die Bevölkerung stärker in den Mittelpunkt rückt.

Der erste Abschnitt der neuen Dauerausstellung beschäftigt sich mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ausgangspunkt ist die Revolution von 1848 mit ihren Forderungen nach politischer Teilhabe und Mitbestimmung. Von dort reicht der zeitliche Bogen über das Kaiserreich bis zur Weimarer Republik.

Dabei geht es unter anderem um die Entwicklung demokratischer Ideen und politischer Rechte, den modernen Verfassungsstaat sowie die Einführung des allgemeinen Wahlrechts und des Frauenwahlrechts. Gleichzeitig nimmt die Ausstellung Widersprüche und Brüche dieser Entwicklung in den Blick. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die großen politischen Veränderungen konkret in Ravensburg auswirkten und auf welche Weise Bürgerinnen und Bürger das städtische Leben mitgestalteten.

„Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer Republik war auch für Ravensburg eine Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen. Die württembergische Oberamtsstadt wuchs über ihre Stadtmauern hinaus, Industrialisierung und Bevölkerungswachstum brachten Neuerungen mit sich und stießen Entwicklungen an“, erklärt Museumsdirektorin Sabine Mücke. Die Frage nach den Bedingungen gesellschaftlicher und politischer Teilhabe soll sich auch durch die weiteren Abschnitte zur Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts ziehen.

Vereine als Teil der Stadtgeschichte

Mit dem „Museum Kollektiv“ bindet das Museum zwei Ravensburger Vereine in die Ausstellung ein: den Turn- und Sportbund 1847 Ravensburg und die Freiwillige Feuerwehr Ravensburg. Beide entstanden in der Zeit der Revolution von 1848. Ihre Archive und Forschungen bilden eine Grundlage des Projekts.

Die historische Perspektive wird dabei mit Fragen der Gegenwart verbunden. Welche Bedeutung haben Vereine heute für das gesellschaftliche Zusammenleben? Welche Rolle spielen sie für demokratische Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement?

Ulrich Feßler, seit 53 Jahren Mitglied des TSB Ravensburg und im Arbeitskreis Vereinsgeschichte aktiv, verweist auf die enge Verbindung von Vereins- und Gesellschaftsgeschichte: „Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut sich in der Turn- und Sportgeschichte die prägenden Entwicklungen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkennen und darstellen lassen.“ Entwicklungen von der bürgerlichen Gesellschaft über die Geschlechteremanzipation und Demokratiegeschichte bis hin zum Nationalismus und zur Rolle der Turnbewegung während der nationalsozialistischen Diktatur hätten auch in den Ravensburger Turn- und Sportvereinen ihren konkreten Niederschlag gefunden.

Das Projekt „Museum Kollektiv“ wird durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

Einblick in Sammlung und Museumsarbeit

Parallel zur neuen Dauerausstellung entsteht im Erdgeschoss ein Schaudepot mit Museumswerkstatt. Dort wird sichtbar, was üblicherweise hinter den Kulissen eines Museums geschieht: wie Objekte in die Sammlung gelangen, dokumentiert und aufgenommen werden.

Wechselnde Stücke aus den Beständen sowie Neuzugänge sollen dort künftig gezeigt werden. Zum Auftakt sind Objekte aus dem 19. und 20. Jahrhundert vorgesehen, darunter Stücke mit Bezug zur Industrialisierung.

Die Museumswerkstatt richtet sich unter anderem an Schulklassen und soll Raum für unterschiedliche Vermittlungsangebote schaffen. Durch die unmittelbare Beschäftigung mit Museumsobjekten können Schülerinnen und Schüler Arbeitsweisen eines Museums kennenlernen und sich mit historischen Quellen auseinandersetzen.

Die neuen Ausstellungsbereiche sind ab September zugänglich. Kuratorinnenführungen sind laut Presseinformation für den 12. September mit Sabine Mücke sowie für den 24. Oktober, 7. November und 18. Dezember mit Miriam Kresser vorgesehen. Im Rahmen der Kunstnacht Ravensburg findet am 18. September zudem die Eröffnung der Ausstellung „Kreisbrecher“ von Lu Grompone statt.

Museumsdirektorin Sabine Mücke in der Ausstellung

  • Bildrechte: Museum Humpis-Quartier/Wynrich Zlomke
  • Quelle: Museum Humpis-Quartier

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