Lindau – Ein beliebter Campingpark bei Bodensee-Urlaubern baut sein Freibad dauerhaft zurück. Für viele klingt das im ersten Moment nach Rückschritt. Tatsächlich ist es der erste Schritt in eine grundlegende Neuausrichtung. Die Fläche des ehemaligen Freibads wird aktuell renaturiert und in einen naturnahen Aufenthaltsbereich verwandelt. Statt Wasserbecken entsteht ein grüner Raum für Ruhe, Bewegung und Naturerlebnis.
Gleichzeitig ist das nur der Anfang – und jetzt wird klar, um wen es konkret geht: Der Campingpark Gitzenweiler Hof in Lindau verfolgt mit diesem Schritt ein bewusst neu gedachtes Konzept.
Ab Winter 2027/2028 folgt mit dem geplanten „GITZ Haus“ der nächste Baustein. Ziel ist ein Angebot, das nicht mehr nur an wenige warme Sommertage gebunden ist, sondern ganzjährig funktioniert – bei Hitze, Regen, Sturm oder Schnee.
Der Rückbau des Freibads ist damit kein isolierter Verzicht, sondern Teil einer klaren strategischen Entscheidung.
65 Jahre Naturcamping – zurück zum Ursprung
Im Jubiläumsjahr „65 Jahre Naturcamping am Gitzenweiler Hof“ wirkt dieser Schritt konsequent. Statt immer mehr Infrastruktur aufzubauen, geht man bewusst einen anderen Weg.
Wo früher geplanscht wurde, entsteht der GITZ Garten – ein naturnaher Bereich ohne Chlor, ohne Technik, ohne künstliche Erlebniswelt. Der Fokus liegt auf Biodiversität, Aufenthaltsqualität und echter Erholung.
Die Richtung ist klar: weniger Inszenierung, mehr Natur.
Einordnung: Einzelfall oder Entwicklung?
Der Schritt ist kein isolierter Einzelfall. In der Branche wächst seit Jahren der Druck: steigende Energiepreise, zunehmende Anforderungen an Technik und Sicherheit sowie ein wachsendes Bewusstsein für Ressourcenverbrauch verändern die Rahmenbedingungen für Campingplätze deutlich.
Schwimmbäder gelten dabei als besonders aufwendig im Betrieb – sowohl im Energieverbrauch als auch im Wasserbedarf. Laut Umweltbundesamt gehören beheizte Freibäder zu den energieintensiven Freizeiteinrichtungen, insbesondere durch Pumpen, Filtertechnik und Wasseraufbereitung.
Gleichzeitig entwickelt sich Camping immer stärker in zwei Richtungen: komfortorientierte Anlagen mit umfangreicher Infrastruktur auf der einen Seite und bewusst naturnahe Plätze auf der anderen. Der Gitzenweiler Hof positioniert sich mit seiner Entscheidung klar in letzterer Richtung.
Rückschritt für Familien?
Die Kritik kommt erwartbar. Für viele gehört ein Pool zum Campingurlaub dazu. Gerade Familien sehen darin ein zentrales Angebot. Teilweise wird sogar vermutet, man wolle Familien gezielt weniger ansprechen.
Das greift zu kurz. Das Aktivprogramm bleibt bestehen – für Kinder, Jugendliche und alle Generationen. In den Ferien mit einem breiten Angebot für junge Gäste, außerhalb der Hauptsaison verstärkt auch für Erwachsene: geführte Wanderungen, Kunstkurse, Kreativwerkstatt und weitere Formate.
Dazu kommen weiterhin Spielplätze, Ponyhof, Fußballplatz sowie zahlreiche Ausflugsziele in der Region. Und auch im geplanten GITZ Haus werden Indoor-Spiel- und Freizeitmöglichkeiten entstehen.
Der Unterschied liegt nicht im Wegfall von Zielgruppen – sondern in der bewussten Verschiebung des Angebots.
Die unbequeme Wahrheit
Die Entscheidung trifft einen wunden Punkt. Viele wünschen sich naturnahen Urlaub – erwarten aber gleichzeitig Infrastruktur wie im Freizeitbad. Pool, Animation, Komfort und gleichzeitig Ruhe, Ursprünglichkeit und wenig Betrieb. Genau dieser Anspruch führt dazu, dass Campingplätze immer stärker ausgebaut werden – oft zulasten von Fläche, Ruhe und Natur. Der Gitzenweiler Hof geht bewusst den umgekehrten Weg und entscheidet sich gegen diesen Spagat.
Wirtschaftlich gedacht: Ein Freibad ist kein Selbstläufer
Ein Freibad ist am Ende ein Angebot für wenige wirklich heiße Wochen im Jahr – verbunden mit laufendem Aufwand für Technik, Pflege, Energie und Wasser über die gesamte Saison hinweg.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen: moderne Wasseraufbereitung, Hygienevorgaben, Sicherheitsstandards und technische Infrastruktur verursachen kontinuierliche Kosten – unabhängig davon, ob das Becken tatsächlich stark genutzt wird.
Hinzu kommt: Das bestehende Freibad hätte ohnehin umfassend saniert werden müssen. In der Praxis bedeutet das meist nicht nur eine einfache Modernisierung, sondern höhere Erwartungen – größere Becken, zusätzliche Attraktionen, mehr Technik.
Ein solcher Ausbau zieht fast zwangsläufig steigende Betriebskosten nach sich – und damit auch höhere Preise für alle Gäste. Am Ende zahlen viele mehr für ein Angebot, das nur an wenigen warmen Tagen wirklich intensiv genutzt wird. Ein Blick in klassische Urlaubsregionen wie Kroatien zeigt, wohin diese Entwicklung führen kann: immer größere Anlagen, immer mehr Ausstattung – und Preise, die Jahr für Jahr spürbar anziehen.
Was entsteht stattdessen?
Gleichzeitig entsteht etwas, das auf vielen Campingplätzen verloren gegangen ist: Raum. Raum für Ruhe, für Bewegung und für eigene Erlebnisse. Statt versiegelter Technikflächen entwickelt sich ein offener, grüner Bereich, der nicht an Öffnungszeiten gebunden ist und nicht nur bei gutem Wetter funktioniert – sondern zu jeder Tageszeit und in jeder Jahreszeit seine eigene Qualität entfaltet.
Statt Beckenrand entstehen neue Perspektiven: ein Sonnenuntergang auf der Holz-Relaxliege mit Blick über einen der Weiher, ein Glas Bodenseewein in der Hand, Kinder, die barfuß über Wiesen laufen, im Bach spielen und Steinpyramiden bauen, statt im Chlorwasser zu toben. Libellen über dem Wasser, Grillenzirpen am Abend, Gespräche bis in die Dämmerung hinein – ohne Freibadlärm, ohne Animation im Minutentakt.
Morgens Nebel über dem Weiher, der langsam von der Sonne aufgelöst wird. Ein Kaffee vor dem Camper, während die Natur erwacht. Vielleicht eine kleine Runde über den Platz, einfach so, ohne Ziel.
Und genau darin liegt der Mehrwert: mehr erholsames Naturerlebnis.
Best of both worlds: Natur vor Ort, Wasser in der Region
Gleichzeitig eröffnet sich eine andere Möglichkeit: Wer Wasser möchte, findet es in der Region – und davon reichlich. Der Bodensee selbst, zahlreiche Freibäder und Badestellen sind in kurzer Zeit erreichbar.
Mit der Gästekarte "Echt Bodensee Card " geht es kostenlos per Stadtbus direkt ab dem GITZ nach Lindau und weiter zu Freibädern oder Badestellen.
So entsteht eine Kombination, die bewusst anders funktioniert: naturnah wohnen – und bei Bedarf gezielt ins Wasser. Nicht alles auf einmal, sondern bewusst getrennt.
Gleichzeitig wird aus dem Gang ins Freibad ein bewusster Ausflug. Gemeinsam losziehen, den Tag planen, unterwegs sein – statt alles direkt vor der eigenen Parzelle zu konsumieren.
Das verlangt ein Stück mehr Eigeninitiative – bietet aber auch genau das, was viele am Familienurlaub schätzen: gemeinsame Zeit statt reiner Beschäftigung.
Ein größerer Trend: Zurück zum Wesentlichen
Die Entscheidung passt in eine Entwicklung, die man auch anderswo beobachten kann. Beim Wandern etwa steigen die Erwartungen seit Jahren: größere Hütten, mehr Komfort, mehr Angebot. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, echte Ruhe zu finden. Das ursprüngliche Erlebnis – Natur, Einfachheit, Reduktion – gerät dabei oft in den Hintergrund.
Der Gitzenweiler Hof dreht diesen Ansatz bewusst um. Weniger „höher, schneller, weiter“. Mehr Fokus auf das, was Camping ursprünglich ausmacht.
Wetterunabhängig statt Schönwetter-Highlight
Mit dem geplanten GITZ Haus verschiebt sich der Fokus grundlegend. Statt eines Angebots, das stark vom Wetter abhängt, entstehen Räume, die immer funktionieren – egal ob Hitze, Regen, Sturm oder Schnee.
Damit wird Camping unabhängiger von einzelnen Schönwetterphasen und gewinnt über das ganze Jahr hinweg an Qualität.
Gleichzeitig erweitert sich die Nutzung deutlich: nicht nur für klassische Campinggäste, sondern auch für Gruppen, Seminare oder das Arbeiten im Urlaub. Ob kurzer Aufenthalt, längerer Urlaub oder eine Phase im Homeoffice – die Möglichkeiten werden vielseitiger und flexibler.
Geplant sind unter anderem moderne Sanitäranlagen, ein neues Wirtshaus mit Sonnenterrasse, Indoor-Spiel- und Freizeitbereiche, Veranstaltungsräume sowie flexible Aufenthalts- und Arbeitsbereiche. Ein Ort für alle Generationen – ganzjährig nutzbar.
Rückschritt oder Fortschritt?
Am Ende stellt sich eine einfache Frage: Was erwarten Sie eigentlich von Camping – möglichst viel Angebot direkt vor Ort oder bewusst mehr Natur und Eigenständigkeit?
Wenn für Sie ein Pool unverzichtbar ist, werden Sie sich künftig eher nach einem anderen Campingplatz umsehen – entsprechende Angebote gibt es in der Region weiterhin: Freibäder etwa beim Wirthshof in Markdorf oder beim Alb-Camping Westerheim auf der Schwäbischen Alb, ein Hallenbad beim Camping Christophorus in Kirchberg an der Iller sowie rund um den Bodensee zahlreiche Plätze mit direktem Seezugang oder ergänzenden Badeangeboten in Kressbronn, Langenargen oder im Raum Konstanz.
Genau das zeigt: Die Auswahl ist groß – und jeder Campingplatz setzt bewusst eigene Schwerpunkte. Während einige Anlagen auf Pool, Komfort und klassische Freizeitangebote setzen, geht der Gitzenweiler Hof künftig einen anderen Weg – mit mehr Fokus auf Natur und Ruhe. Sie dürfen gespannt sein, was hier bis Ostern 2028 und darüber hinaus entsteht.
Fazit: Mutig – und konsequent
Nicht jeder wird diesen Weg gut finden. Und genau deshalb ist er bemerkenswert.
Der Gitzenweiler Hof entscheidet sich bewusst gegen den einfachen Weg – und für eine klare Haltung.
Unser Fazit: Bravo für eine mutige und nachhaltige Entscheidung.