Ravensburg - Das Kunstmuseum Ravensburg legt für 2026 ein Ausstellungsprogramm vor, das sich mit Zeit als künstlerischem, historischem und existenziellem Thema auseinandersetzt. Drei große Ausstellungen strukturieren das Jahr und verbinden internationale Gegenwartskunst mit der eigenen Sammlung sowie mit einem zentralen Werk der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Den Auftakt bildet von April bis Juli die Ausstellung It’s All About Time. In mehreren raumgreifenden Arbeiten untersuchen internationale Künstlerinnen und Künstler unterschiedliche Dimensionen von Zeit – von biologischen Rhythmen über standardisierte Zeitmessung bis hin zu individuellen Zeitwahrnehmungen. Ausgangspunkt ist unter anderem Tehching Hsiehs legendäre One Year Performance 1980–1981 (Time Clock Piece), in der der Künstler ein Jahr lang zu jeder vollen Stunde eine Stechuhr betätigte und sich selbst fotografierte. Die Ausstellung macht Zeit nicht als abstrakten Begriff, sondern als sinnlich erfahrbare Größe zugänglich.
Im August folgt mit Zeitfragen. Sammlung trifft Gegenwart eine Fortsetzung der gleichnamigen Ausstellungsreihe. Werke aus der Sammlung Selinka, die einen Schwerpunkt auf den deutschen Expressionismus legt, treten dabei in Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Die Gegenüberstellung legt Kontinuitäten und Brüche zwischen unterschiedlichen Generationen offen und eröffnet neue Perspektiven auf historische und aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. Ergänzt wird dieser Ausstellungsteil durch die Präsentation von Janet Cardiff The Forty Part Motet. Die 40-kanalige Audioinstallation basiert auf einem Renaissance-Werk von Thomas Tallis und ermöglicht ein individuelles Hörerlebnis, das sich durch die Bewegung im Raum stetig verändert.
Den Abschluss des Jahresprogramms bildet ab Dezember die Ausstellung Charlotte Salomon. Leben? oder Theater?. Gezeigt werden 235 Blätter aus dem gleichnamigen Werkzyklus, den die deutsch-jüdische Künstlerin zwischen 1940 und 1942 im Exil in Südfrankreich schuf. Zeichnung, Malerei, Text und musikalische Bezüge verbinden sich zu einer vielschichtigen Erzählung zwischen Autobiografie und Fiktion. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Jewish Museum Amsterdam entsteht, beleuchtet ein Werk, das unter den Bedingungen von Verfolgung und existenzieller Bedrohung entstand und bis heute durch seine formale und inhaltliche Radikalität beeindruckt.
Mit dem Jahresprogramm 2026 setzt das Kunstmuseum Ravensburg seine inhaltliche Ausrichtung fort, Sammlung und Gegenwartskunst miteinander zu verknüpfen und zentrale Themen der Kunst- und Zeitgeschichte differenziert zu beleuchten.
Die Termine der Veranstaltungen finden Sie im LandOi-Kalender.